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WEICHENSTELLUNG in der Corona-Zeit

Wie gehst du als Mentor/-in mit der aktuellen Corona-Situation um?

Mentorin Katharina:

Weil man schon zu oft das Wort Corona oder Covid-19 gehört hat, werde ich einfach nur Pandemie dazu sagen. Das erste Mal kam das Thema auf, als wir am Kulturprogramm teilnehmen wollten, dies aber aufgrund der Pandemie abgesagt wurde. Danach trat dann die Ausgangsbeschränkung in Bayern in Kraft. Unabhängig davon, dass wir Mentor/-innen dazu angehalten wurden, auf persönliche Treffen zu verzichten und es gesellschaftlich rücksichtslos gewesen wäre, hätte ich mich nicht treffen können, da ich mittlerweile nicht mehr direkt in Nürnberg wohne.

Die ersten beiden Wochen waren wir beide noch optimistisch und hätten nie gedacht, dass wir uns so lange nicht sehen würden. Deshalb haben wir auch erstmal „nur“ telefoniert, uns über unseren Alltag ausgetauscht, viel über die Pandemie gesprochen und wie wir damit umgehen. Es war auch interessant zu erfahren, wie es in dem Heimatland meines Mentees bezüglich der Pandemie aussieht, was die Leute dort denken und fühlen. Innerhalb dieser zwei Wochen hat mein Mentee wieder das Arbeiten angefangen – im Krankenhaus. Natürlich habe ich in dieser Zeit telefonisch seelischen Beistand geleistet, soweit es mir möglich war. Als uns klar wurde, dass die Ausgangsbeschränkungen noch eine ganze Weile andauern werden, haben wir uns überlegt, wie wir die nächsten Wochen nutzen wollten und ab da sind wir auch zur Routine der wöchentlichen Treffen wieder übergegangen. Wir haben uns einmal pro Woche verabredet und abhängig von unseren Themen über Skype oder Video-Chat „getroffen“. Es war ein schönes Gefühl, sich wieder zu sehen. Das tolle an dem Programm ist, dass Ich die Sitzungen individuell an die Bedürfnisse meines Mentees anpassen kann. Besonders in dieser schwierigen Phase gab es viel Redebedarf, beispielsweise auch über das Verhalten und die Sorgen in der Arbeit. Hier habe ich keinen Druck von außen, mit meinem Mentee gezwungenermaßen für die Schule zu lernen oder ähnliches. Förderung bedeutet nicht nur „Nachhilfe“ zu geben, sondern man kann auch über einen Dialog zum Thema Arbeit mehrere Kompetenzen fördern, so auch Sprache.

Nach der Arbeitsphase hatte mein Mentee auch längere Zeit digitalen Schulunterricht. Hier habe ich mir vorab Bilder vom Schulstoff zukommen lassen und mich vorbereitet. Dann haben wir geskyped, was den Vorteil hat, dass man den Bildschirm teilen kann. Dies hat uns ermöglicht, relativ normal zusammen zu lernen. Ich habe beispielsweise beim Textschreiben unterstützt, Inhalte erklärt oder wir haben Zusammenfassungen auf Karteikarten erstellt. Ich muss ehrlich sagen, dass es uns sicherlich leichter gefallen ist, da mein Mentee über die 1,5 Jahre an Selbstständigkeit gewonnen hat und eine, wie ich finde, große Entwicklung vollzogen hat. So haben wir manchmal auch Lerntermine ausgemacht, in denen wir geskyped haben und ich für Fragen zu Verfügung stand, wir aber beide jeweils für uns gelernt haben. Dies hilft meinem Mentee sich zum Lernen zu motivieren.

Mittlerweile haben wir uns wieder persönlich getroffen und etwas zusammen unternommen. Da die öffentlichen Treffoptionen mit Sitzgelegenheit immer noch sehr begrenzt sind, lernen wir meist immer noch digital zusammen und treffen uns nur für den Austausch persönlich – natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, funktioniert das auch sehr gut, der persönliche Kontakt ist aber natürlich unersetzlich. Wir sind beide nach wie vor wohlauf und schauen der Zukunft positiv entgegen.

 

Beiträge aus anderen WEICHENSTELLUNGS-Projekten zur aktuellen Arbeit in der Corona-Zeit finden Sie unter diesem Link

 

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